Presseinfo – “BUND Naturschutz und Bürgerinitiative Fauststraße 90 informieren Bürger” – 22.02.2018

22.02.2018: Warnung vor einem Präzedenzfall mit Folgen für ganz München

PDF-Download: Bei der Informationsveranstaltung vom BUND Naturschutz und der Truderinger Bürgerinitiative Fauststraße 90 im Kulturzentrum Trudering informierten sich über 100 Besucher, darunter auch die Stadträte Richard Progl, Sebastian Schall und Herbert Danner, über die Baupläne im Münchner Osten und über den ungebremsten Flächenverbrauch in München sowie über die Folgen für Mensch und Umwelt.

München platzt aus allen Nähten, doch die Stadtverwaltung wirbt ungebremst um zahlungskräftige Investoren für Gewerbeimmobilien auf Münchner Boden. So preist federführend das Referat für Arbeit und Wirtschaft vom 12. bis 16. März auf der internationalen Immobilienmesse MIPIM (http://www.munich-mipim.de) im südfranzösischen Cannes Kapitalanlegern aus aller Welt die Landeshauptstadt als attraktiven Wirtschaftsstandort mit hoher Lebensqualität und Spitzenmieten bei Bürogebäuden an.

Daß München Stau-, Schmutz- und Pendlerhauptstadt mit hohen Lebenshaltungskosten und Flächennot ist, bleibt freilich unerwähnt, so der Sprecher der Bürgerinitiative Fauststraße 90, Horst Münzinger in seinem illustrierten Vortrag.

Unnötig und irrational nennt er deshalb den seit Jahren üblichen Messeauftritt.

Der Vorsitzende der Kreisgruppe München des BUND Naturschutz, Christian Hierneis, zeigte die Liste mit den Namen der Banken, der Zeitung und der Immobilienfirmen, die Münchens Standpartner sind. Darunter findet sich auch das Unternehmen Optima-Ägidius, das unter anderem an der Münchberger Straße im Stadtteil Fasanengarten und im Landschafts- und Wasserschutzgebiet an der Truderinger Fauststraße Wohnquartiere mit insgesamt rund 300 Wohnungen bauen will.
Noch mehr Großfirmen mit noch mehr Arbeitsplätzen bewirken mehr Zuzug und somit steigende Nachfrage nach Wohnungen, Sozial-, Sport- und medizinische Einrichtungen. Auch zusätzliche Kindergärten, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten sind nötig. Mehr Verkehr, Schmutz und Lärm sind die Folge.

Doch schon jetzt sind Flächen knapp. Deshalb, so die Referenten, geraten auch bisher verschonte Wiesen und Felder ins Visier der Bauplaner. Allein im Münchner Osten von Daglfing über Trudering zum Fasanengarten und bis Keferloh, so Münzinger, gibt es Bauplanungen für über 20.000 Wohnungen und Gewerbebauten. Viele hundert Hektar Wiesen, Äcker und Felder werden demnach versiegelt.

„Das Bauen und das Versiegeln wertvoller Grünflächen ohne übergeordnete Strategie muss sofort aufhören!“ fordert Hierneis. Er plädiert dafür, das hektische punktuelle bauen durch eine koordinierte Bauplanung auf der Grundlage eines Zukunftskonzepts, das alle Münchner Bezirke umfasst, zu ersetzen.

Das ist dringend notwendig, denn aktuell scheut die Politik auch nicht mehr davor zurück, sogar wichtige geschützte Gebiete dem unersättlichen Appetit der Investoren zu opfern. Am Beispiel Fauststraße 90 erläuterte Münzinger die erstmalige grobe Missachtung des Landschaftsschutzes durch Stadtrat und Investor.
Demnach soll die auf dem Grundstück bestehende Sportanlage abgerissen und sieben mehrgeschossige Wohnblocks mit bis zu 80 Wohnungen und über 100 Tiefgaragenplätze gebaut werden. Und das, so Münzinger, obwohl das Referat für Bauordnung und Stadtplanung das Grundstück als ökologische besonders wertvoll eingestuft hat und noch bis 2013 sämtliche Bauanfragen zu diesem Grundstück aus naturschutzrechtlichen Gründen negativ beantwortet wurden.

Einstufung und Haltung des Referats waren dem Investor Optima Ägidius vor dem Kauf bereits bekannt. Fragen aus dem Publikum, ob es Absprachen zwischen Investor und der Stadt hinsichtlich der Bebauungsplanung gegeben hat, konnte der anwesende Vertreter der Firma nicht beantworten. Münzinger warnte eindringlich davor, mit einer Baugenehmigung für die Fauststraße einen Präzedenzfall zu schaffen, mit dem Investoren bei ähnlichen Bauvorhaben, so etwa auf dem ALLIANZ-Sportgelände an der Osterwaldstraße, künftig die Stadt unter Druck setzen können.

Wesentlich besser sei es gerade im Hinblick auf Verkehrsbelastung, Versiegelung und Landschaftsschutz, die bestehende Sportanlage zu nutzen. Münzinger verwies auf den vom Sportreferat und vom Stadtrat festgestellten stark wachsenden Bedarf an Sportflächen und Hallen. „Seit Jahren suchen die Vereine TSV Trudering und TSV Waldtrudering händeringend nach Hallenkapazitäten und Sportflächen.“ Nachdem sich beide Vereine eine Nutzung der Sportanlage an der Fauststraße vorstellen können, forderte er eine Reaktivierung der Anlage durch den Eigentümer. Denkbar sei auch ein Kauf durch die Stadt München und die Renaturierung des Geländes. Oder der Betrieb als Zweigstelle der Truderinger Bezirkssportanlage. Lehne der Eigentümer ab, müsse die Stadt kein erweitertes Baurecht schaffen, denn eine Zusage oder Gleichwertiges gäbe es ja nicht.